Jedermann (stirbt) – Schmalz am Burgtheater

Jedermann hat wohl jeder Mann oder jede Frau schon einmal gesehen oder zumindest davon gehört. Im Burgtheater wird derzeit Ferdinand Schmalz‘ Version inszeniert und sorgt schon seit einem Jahr für einen vollen Saal und einen nachdenklichen, aber unterhaltsamen Abend in der Burg.

Jedermann stirbt Copyright: Georg Soulek/Burgtheater
Copyright: Georg Soulek/Burgtheater

Vom Jedermann-Stoff und der Schmalz’schen Umsetzung

Der eigentliche Jedermann-Stoff stammt aus dem endenden 15./frühen 16. Jahrhundert. Aus einer niederländischen und einer englischen Variante entstehen viele Übersetzungen und Varianten in anderen Sprachen. Er verarbeitet jeweils zwei literarische Motive: Zum einen die Freundschaftsprobe vor dem Tod, zum anderen das Strafgericht nach dem Tod bzw. die moralische Rechtfertigung des Lebens.

Von der Urfassung zur Reformation

Jedermann stirbt Copyright: Georg Soulek/Burgtheater
Copyright: Georg Soulek/Burgtheater

In der Urfassung verfolgt das Werk noch die Erlösung durch die guten Werke. Im Zuge der Reformation halten auch in den Jedermann die Lehren Luthers Einzug. Die Guten Werke werden zur Tugend, Hilfe bekommt Jedermann aber nur durch Unterstützung des Glaubens.

Nach der Reformation war der Stoff zunächst überholt. Erst drei Jahrhunderte später sollte er wieder das Interesse der Leser und Zuschauer erlangen. Eine erste Prosaversion entsteht und das Schauspiel Hofmannsthals wird unter Max Reinhardts Regie in Berlin uraufgeführt. Die Premiere war zwar kein Erfolg, das Stück gelangte aber schließlich nach Salzburg vor den Dom. Dort machte es den Beginn der Salzburger Festspiele aus.

Schmalz‘ Bearbeitung fürs Burgtheater

Jedermann stirbt Copyright: Georg Soulek/Burgtheater
Copyright: Georg Soulek/Burgtheater

Ferdinand Schmalz nimmt sich nach einigen weiteren Bearbeitungen den Stoff im Auftrag des Burgtheaters vor und aktualisiert ihn für die heutige Zeit: inhaltlich und sprachlich. „Dabei schraubt Schmalz so lange an der Sprache, bis sich ein „Neusinn“ herstellt, der Tief- und Unsinn gleichermaßen sein kann.“ (Aus der Jurybegründung für den Kasseler „Förderpreis Komische Literatur“, mit dem Ferdinand Schmalz im Februar 2017 ausgezeichnet wurde; zitiert aus dem Programmheft jedermann (stirbt))

Ein Kreis und die Nacktheit

Auffallend gleich zu Beginn ist ein schwarzes Loch im Bühnenbild, in einer gewissen Höhe, das auch später immer wieder von Bedeutung ist. Darin drängen sich in ihrer Nacktheit die Figuren und läuten den Beginn musikalisch ein.

Im Prolog schließen Gott und Teufel eine Wette. Anders als die klassische Variante ist Gott jedoch ziemlich kaputt und beide räkeln sich in Yogaposen während ihrer Unterhaltung. Schon anfangs wird dem Zuschauer also vor Augen und Ohren geführt, dass es sich nicht etwa um ein Reformationsspiel handelt.

Jedermann stirbt Copyright: Georg Soulek/Burgtheater
Copyright: Georg Soulek/Burgtheater

Im weiteren Verlauf soll das Loch, das nicht nur starr ist, sondern sich auch dreht, immer wieder bedeutungstragend sein. Als Erhöhung um Macht auszudrücken, als sich drehender Kreis und Hamsterrad. Aber auch darüber hinaus werden immer wieder politische Themen angeschnitten.

Besonders auffallend ist auch das Spiel mit den Farben, das schon gar nicht mehr übersehen werden kann. Ganz fleischfarben zu Beginn, golden und prachtvoll in der Blüte des Lebens, schwarz zum Ende hin.

Jedermann stirbt Copyright: Georg Soulek/Burgtheater
Copyright: Georg Soulek/Burgtheater

Im Epilog gibt es noch einmal einen nur allzu deutlichen Hinweis auf die Flüchtlingsproblematik und etwas zum Nachdenken. Jedermann wird zum niemand (im schwarzen Anzug statt prächtig golden gekleidet) und betont, dass nicht mal der Tod alle gleich macht.

Resümee

Jedermann stirbt Copyright: Georg Soulek/Burgtheater
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Für einen lustigen Theaterabend, nachdem man beschwingt nach Hause geht, ist dieser Jedermann definitiv nichts. Er regt zum Nachdenken an und bewegt. Aber ist Theater nicht genau dafür da? Um uns subtil aus Misslagen hinzuweisen? Und schließlich zum Nachdenken hinzuweisen? Und das tut Schmalz‘ Jedermann definitiv. Es bietet eine stimmige Vorstellung, die zu keiner Zeit langweilig oder langwierig wirkt.

Die nächsten Aufführungen von Jedermann (stirbt) gibt es am 24. März, 3. April, 12. April, 15. April sowie 24. April. Weitere Termine folgen. Und als kleiner Tipp: Im Programmheft findet sich der gesamte Text des Stücks, der es definitiv wert ist, auch noch mal gelesen zu werden!

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